Die Schiffsunglücke vom April 2015

@ FORENSIC OCEANOGRAPHY - DEATH BY RESCUE

In der Woche vom 12. bis 18. April 2015 sanken im zentralen Mittelmeer zwei Boote. Mehr als 1.200 Menschen starben. Forensic Oceanography nennt sie in ihrem Bericht Death by Rescue „April's Black Week" und dokumentiert sie als unmittelbare Folge einer politischen Entscheidung.

Am 13. April kenterte ein Boot mit Migrant:innen und Geflüchteten aus Libyen, schätzungsweise 400 Menschen starben. Nur sechs Tage später, in der Nacht vom 18. auf den 19. April, sank nördlich von Libyen ein überladenes Fischerboot mit bis zu 1.000 Menschen an Bord, nachdem es mit einem Handelsschiff kollidiert war, das auf seinen Notruf reagiert hatte. Nur 28 Menschen überlebten. Es ist der folgenschwerste bekannte Untergang in der Geschichte der Migration über das Mittelmeer. Die Katastrophen wurden zum Sinnbild für die tödlichen Folgen einer Politik, die sichere und legale Fluchtwege verschließt und Menschen auf immer gefährlichere Routen über das Meer zwingt.

Sie ereigneten sich nur wenige Monate, nachdem Italiens großangelegte Seenotrettungsoperation Mare Nostrum durch die weitaus begrenztere Frontex-Operation Triton ersetzt worden war. Für viele zivilgesellschaftliche Akteur:innen zeigten die Schiffbrüche vom April 2015, wie dringend proaktive Seenotrettung im zentralen Mittelmeer gebraucht wurde. In den Monaten danach entstanden mehrere zivile Rettungsinitiativen, darunter auch Jugend rettet e.V. – das Projekt, das später die Iuventa betreiben sollte.

Barca Nostra
Das Wrack des Bootes vom 18. April wurde 2016 von der italienischen Marine vom Meeresgrund geborgen und auf einen NATO-Stützpunkt in Sizilien gebracht, wo Forensiker:innen an der Identifizierung der Toten arbeiteten. Mehrere Vorschläge für ein dauerhaftes Mahnmal verliefen im Sande. 2019 brachte der schweizerisch-isländische Künstler Christoph Büchel den rostenden Rumpf zur Biennale in Venedig, ausgestellt ohne erläuternden Text, auf dessen Entfernung Büchel bestanden hatte. Für die einen ein wuchtiges Mahnmal, für die anderen eine Spektakularisierung des Massensterbens im Rahmen einer Kunstmesse. Die Auseinandersetzung darüber, wer für die Toten sprechen darf, wurde Teil des Werks selbst. Das Boot kehrte schließlich nach Augusta auf Sizilien zurück, wo es als dauerhaftes Mahnmal dienen soll.

Sources & Further Reading

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