Nancy Porsia

Italienische Journalistin und eine der führenden Libyen-Expertinnen Europas, spezialisiert auf den Bürgerkrieg des Landes und Migration im zentralen Mittelmeer.

Nancy Porsia was based in Libya for over five years in the aftermath of the 2011 revolution. Her work has appeared in The Guardian, Al Jazeera, ARD, Deutsche Welle, TRT World, and Repubblica, among others.

Together with Nello Scavo, Porsia was among the first to break the story of the May 2017 meeting in Sicily, at which Bija attended in his capacity as a Libyan Coast Guard commander to discuss restricting migration flows with Italian intelligence officials – the same man the UN Security Council had condemned weeks earlier for sinking migrant boats using firearms. Her investigation into Bija remains one of the most detailed portraits of how the Italy-Libya cooperation functioned on the ground: not as border management, but as the institutionalization of a trafficking network. For this work, Porsia was given a security detail after Bija threatened her and her family.

In 2021, several newspaper, like Guardian and Domani, revealed that journalists covering the Mediterranean migration crisis had been wiretapped by Italian prosecutors. Among them Nancy Porsia, who had been surveilled for six months. Her phones were tapped, her movements tracked, her conversations with lawyers and colleagues recorded – without her knowledge, without legal basis, and without any formal investigation against her. The material ended up in the 30,000-page Iuventa case file. The prosecutors who signed off on the wiretaps were the same ones building the case against the rescue crews.

Porsia investigated Bija. The DNAA coordinated with Bija. The Iuventa rescued the people Bija's militia had been tasked with intercepting and returning to Libya. The wiretaps on Porsia's phone connected all three threads – which is precisely why they were placed there.
Her reporting did not just document the system. It threatened to expose it. You can follow her work here.

Nancy Porsia lebte nach den Aufst von 2011 über fünf Jahre in Libyen. Ihre Arbeiten erschienen unter anderem in The Guardian, bei Al Jazeera, ARD, Deutsche Welle, TRT World und Repubblica.

Gemeinsam mit Nello Scavo gehörte Porsia zu den Ersten, die das Treffen vom Mai 2017 in Sizilien öffentlich machten: Bija verhandelte dort in seiner Funktion als Kommandeur der sog. libyschen Küstenwache mit Vertretern des italienischen Geheimdiensts über die Eindämmung von Migrationsbewegungen. Derselbe Mann war Wochen zuvor vom UN-Sicherheitsrat dafür verurteilt worden, Boote von Migrant:innen mit Schusswaffen versenkt zu haben. Ihre Recherche zu Bija gehört bis heute zu den detailliertesten Darstellungen dessen, wie die italienisch-libysche Kooperation vor Ort funktionierte: nicht als Grenzmanagement, sondern als Institutionalisierung eines Menschenhandelsnetzwerks. Für diese Arbeit erhielt Porsia Personenschutz, nachdem Bija sie und ihre Familie bedroht hatte.

2021 enthüllten mehrere Zeitungen, darunter der Guardian und Domani, dass Journalist:innen, die über die Migration im Mittelmeer berichteten, von italienischen Staatsanwaltschaften abgehört worden waren. Unter ihnen Nancy Porsia, die sechs Monate lang überwacht wurde. Ihre Telefone wurden abgehört, ihre Bewegungen verfolgt, ihre Gespräche mit Anwält:innen und Kolleg:innen aufgezeichnet, ohne ihr Wissen, ohne Rechtsgrundlage und ohne dass je förmlich gegen sie ermittelt worden wäre. Das Material landete in der 30.000 Seiten umfassenden Iuventa-Ermittlungsakte. Die Staatsanwälte, die die Abhörmaßnahmen anordneten, waren dieselben, die das Verfahren gegen die Rettungscrews aufbauten.

Porsia recherchierte zu Bija. Die DNAA koordinierte sich mit Bija. Die Iuventa rettete die Menschen, mit deren Abfangen und Rückführung nach Libyen Bijas Miliz beauftragt war. Die Abhörprotokolle von Porsias Telefon verbanden alle drei Fäden, und genau deshalb wurden sie angelegt.


Ihre Arbeit lässt sich hier verfolgen.

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