Jugend rettet

Jugend rettet

Der Verein hinter dem Schiff: wie aus einer Idee eine Rettungsmission wurde.

Im Frühjahr 2015 gab es täglich neue Nachrichten vom Sterben im Mittelmeer. Allein im April 2015 ertranken bei zwei Schiffsunglücken mehr als tausend Menschen.

Nicht gewillt zuzusehen, und inspiriert von Organisationen wie Alarm Phone, Sea-Watch und Médecins Sans Frontières, machte sich eine Gruppe junger Studierender in Berlin daran, einen Verein zu gründen: Jugend Rettet.

Die Idee: sich an der zivilen Seenotrettung im zentralen Mittelmeer zu beteiligen und in Deutschland Kampagnen-, Bildungs- und Protestarbeit zu machen, um auf das Schicksal der Menschen an Europas Außengrenzen hinzuweisen, und auf die, die dafür verantwortlich sind. Jugend Rettet war nie nur ein humanitäres Projekt. Es wurzelte in etwas Größerem: in der antirassistischen und antifaschistischen Bewegung, die für das Recht auf Bewegungsfreiheit für alle kämpfte, für Solidarität und die Vorstellung eines anderen Europas.

Im selben Sommer strandeten Tausende Geflüchtete an den osteuropäischen Grenzen. Was am 1. September als March of Hope begann, endete nicht mit einem Massaker auf einer Autobahn oder an den Zäunen eines Lagers – es endete am Münchner Hauptbahnhof, wo Menschen in Bewegung mit Applaus empfangen wurden. Getragen von diesem Momentum startete Jugend Rettet seine ersten Projekte und eine Spendenkampagne für ein Schiff.

Am 3. Oktober 2015 wurde der Verein offiziell eingetragen.
Am 19. Mai 2016 wurde der Kaufvertrag unterzeichnet.
Am 9. Juni 2016 begannen die Umbauarbeiten.
Am 24. Juni 2016 hatte das Schiff einen Namen: IUVENTA.
Fünf Wochen später lief sie zu ihrer ersten Mission aus und rettete 1.388 Menschen.

Einen Partner fand der Verein in der Kreuzberger Kinderstiftung, die ein Darlehen von 130.000 Euro für den Kauf des Schiffs bereitstellte. Eine Crowdfunding-Kampagne brachte weitere 140.000 Euro ein, die in den Umbau und die Finanzierung der ersten Missionen flossen. Einzelpersonen, Unternehmen und Organisationen steuerten Arbeit und Sachspenden bei, darunter Medikamente, Rettungsinseln und Material für den Umbau.

Während das Schiff in Malta stationiert war, blieb das Backoffice des Vereins in Berlin, wo die Infrastruktur der Mission aufgebaut und unterhalten wurde: Medienarbeit, Fundraising, politische Arbeit. In der Anfangszeit auch die Koordination der Missionen selbst: Crewplanung, Beschaffung von missionsrelevanten Gütern. Diese Arbeit, oft unsichtbar und selten im Rampenlicht, machte es überhaupt erst möglich, dass andere die lebensrettende Arbeit auf See tun konnten. Wie die Crew des Schiffs bestand die Crew in Berlin aus Freiwilligen: Menschen, die vielleicht nie einen Fuß auf ein Rettungsschiff setzen werden, schrieben Pressemitteilungen, verwalteten Spenden, koordinierten Crew-Wechsel und hielten den Betrieb am Laufen, aus Wohnzimmern und von Küchentischen aus.

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