Die CREW der Iuventa
Die Iuventa wurde von mehr als 200 Freiwilligen betrieben. Teil der Crew zu sein hieß: zwei Wochen auf See oder sich auf der Werft den Arsch abarbeiten. Für die meisten von uns war die Welt der Seefahrt komplettes Neuland.
Viele verbrachten ihren Jahresurlaub an Bord des Schiffs. Niemand wurde bezahlt. Nur Reisekosten wurden erstattet; Unterkunft und Verpflegung gab es auf Malta und an Bord. Die Hälfte der Crew waren professionelle Seeleute; die anderen hatten wenig bis keine Erfahrung auf See, stellten jedoch das wichtige nicht-nautische Personal an Bord: Der Deck Manager organisierte das Crowd Management, während Gerettete an Bord waren; unterstützt von einem Sanitäter behielt die Bordärztin den Überblick über den Gesundheitszustand von Crew und Geretteten und behandelte, wo nötig. Unter Deck betrieben die Ingenieur:innen die Hauptmaschine, Generatoren, Pumpen, Kompressoren, den Kran und die Winden.
Doch die Crew war mehr als nur die Menschen an Bord! Zu ihr gehörten die Tausenden Spender:innen, die die Missionen der Iuventa erst möglich machten, indem sie die Unterhaltskosten des Schiffs trugen, ebenso wie Reise, Verpflegung und Unterkunft der Crew an Land.
Und über diese Unterstützung hinaus trugen Spender:innen, Familien, Freund:innen und Genoss:innen den Kampf auf die Straßen, an die Universitäten, in Kirchen und an Arbeitsplätze: mit Kampagnen gegen das Massensterben im Mittelmeer. Auch sie waren Teil der Iuventa-Crew!
Die Iuventa fuhr mit einer rotierenden Freiwilligen-Crew von rund 15 Personen pro Mission, organisiert in klar definierten Rollen, die jeden Aspekt des Betriebs abdeckten: von Navigation und Maschine bis zu Rettungskoordination und medizinischer Versorgung.
Nautical positions / regular ship's operation: master | chief mate | 2nd mate | chief engineer | 2nd engineer | electrician | bosun
Search And Rescue (SAR) positions: HOM | Deck Manager | RIB Driver | RIB Leader | RIB Mediator | Lilli driver | Lilli Leader | Doctor | Medic
Auf der Brücke: Der Master trug die Gesamtverantwortung für das Schiff, die Sicherheit der Crew und alle nautischen Entscheidungen, in enger Zusammenarbeit mit der Head of Mission. Der Chief Mate verantwortete Decksbetrieb, Sicherheitstrainings und Wachdienst. Zwei weitere Offizier:innen teilten sich die Navigationsaufgaben in drei rotierenden Schichten.
Im Maschinenraum: Chief Engineer und 2nd Engineer hielten Hauptmaschine und RHIB-Motoren, Generatoren, Pumpen und Kräne instand, die Systeme, die das Schiff am Laufen hielten. Ein:e Elektriker:in kümmerte sich um die elektrische und IT-Infrastruktur des Schiffs, von der Brücke über den Maschinenraum bis zu den Rettungsbooten.
An Deck: Der Bootsmann koordinierte die Instandhaltung, vom Klodeckel bis zu Leinen und Fendern. Der Deck Manager koordinierte die Crewmitglieder, die sich unabhängig von ihrer Hauptrolle beteiligten an: dem Aussetzen der Rettungsboote, dem An-Bord-Helfen der Menschen, der Ausgabe von Essen und Wasser, der Unterstützung des medizinischen Teams.
Auf den Rettungsbooten ("Festrumpfschlauchboot" - RhIB): Die Iuventa fuhr mit zwei schnellen Rettungsbooten. Das große RHIB war besetzt mit Driver, Team Leader und Mediator. Das kleinere Beiboot musste alle Aufgaben mit nur zwei Personen bewältigen. Der Driver traf alle nautischen Entscheidungen vor Ort. Der Team Leader koordinierte den Einsatz, hielt die Kommunikation mit der Head of Mission und leistete Erste Hilfe. Der Mediator stellte den Erstkontakt mit den Menschen in Seenot her: informieren, Rettungswesten ausgeben, Informationen sammeln.
Die Einsatzleitung (Head of Mission) koordinierte während der Rettungseinsätze alle Bereiche: Brücke, Deck, Rettungsboote, medizinisches Team, verantwortlich für die Einsatzstrategie, die Sicherheit der Crew und die Sicherheit aller Geretteten. Jede taktische Entscheidung vor Ort lief über diese Rolle.
Medizinisches Team: Doctor und Medic betrieben das Bordhospital, führten bei den Übernahmen die Triage durch, behandelten Verletzungen und medizinische Notfälle und schulten die übrige Crew in Erster Hilfe. Die Bedingungen, unter denen sie arbeiteten, Unterkühlung, Verätzungen durch Treibstoff, Traumata, Atemstillstand, sind im Abschnitt Medizinische Notfälle auf See dokumentiert.